Die Aufgaben der Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie
Prof. Dr. D. Reinhardt, Vorsitzender der Gesellschaft von 1996 - 2004
(zum 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft)
(zum 25-jährigen Bestehen der Gesellschaft)
Fünfundzwanzig Jahre GPP sind Zeit genug, um einen Blick zurück zu tun, den gegenwärtigen Stand zu überdenken, vor allem aber auch Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Die Kinderheilkunde hat sich aus der Inneren Medizin entwickelt. Die Pädiatrische Pneumologie hat eine andere Entwicklung genommen. Wenn auch eine Verbindung zur internistischen Pneumologie immer gegeben war und in den letzten Jahren immer stärker zu werden scheint, so waren pädiatrisch pneumologische Krankheitsbilder wie das "infektanfällige Kind", der Pseudokrupp, das Asthma bronchiale und Pneumonien jedoch immer Versorgungsbestandteile der sogenannten Allgemeinpädiatrie. Die pulmonalen Probleme des Früh- und Neugeborenen haben durch die Etablierung von Beatmungs- und sonstigen intensivmedizinischen Therapiestrategien auf Neugeborenenintensivstationen einen steten Wandel erfahren: Einerseits wurde eine höhere Überlebensrate "erkauft" durch eine höhere pulmonale Morbiditätsrate, andererseits gelang es durch den Einsatz neonatologisch-intensivmedizinischer Methoden sowie auch invasiver chirurgischer Interventionen, Neugeborene und Säuglinge mit bronchopulmonalen Erkrankungen am Leben zu erhalten. Auch die Lebenserwartung von Patienten mit anderen chronischen Lungenerkrankungen, wie zum Beispiel der Mukoviszidose, hat in den letzten Jahren als Folge neuer bzw. veränderter Therapiemodalitäten um ein vielfaches zugenommen.
Das Asthma bronchiale, Prototyp einer inhalativ-allergischen Erkrankung, ist heute die häufigste chronische Erkrankung des Kindesalters überhaupt. Über die Ursachen für eine Zunahme ist viel spekuliert worden, letztendlich sind sie jedoch ungeklärt. Während einerseits der Umgang mit neuen bzw. auch veränderten chronisch-pulmonalen Krankheitsbildern und deren Komplikationen zum Teil äußerst komplex ist, haben sich andererseits pneumologisch-diagnostische und -therapeutische 'Technologien', wie lungenfunktionsanalytische Methoden, die Bronchoskopie, die Schlafmedizin etc. entwickelt, so daß die Etablierung einer Subspezialität "Pädiatrische Pneumologie" innerhalb der Pädiatrie notwendigerweise Folge sein mußte. Die Zunahme von pädiatrisch-pneumologischen Einrichtungen an Universitätskinderkliniken und großen Versorgungskliniken sowie die Zunahme von niedergelassenen Kinderärzten mit einem pädiatrisch-pneumologischen Ausbildungsprofil reflektiert diesen Wandel, der überdies auch an dem steten Wachstum der Mitgliederzahl in der GPP von ein paar Dutzend im Jahr 1978 auf 652 im Jahr 2002 ablesbar ist.
Trotz dieser erfolgreichen Entwicklung ergeben sich jedoch eine Reihe von Problemen, denen sich die pädiatrische Pneumologie jetzt und in den nächsten Jahren gegenübersieht.
Validierung von Standards, Qualitätssicherung in der Ausbildung, Klinik- und Praxiskatalog
Bisher existierten keine einheitlichen Standards für diagnostische und therapeutische Maßnahmen bei pädiatrisch-pneumologischen Krankheitsbildern.Ausbildungszentren mit pneumologischem Schwerpunkt müssen sicher andere Qualitätsmerkmale erfüllen als kleinere Versorgungskliniken oder niedergelassene Kinderärzte. Alle Kolleginnen und Kollegen jedoch, die schwerpunktmäßig Kinder und Jugendliche mit bronchopulmonalen Erkrankungen versorgen, sollten einen bestimmten Basiskatalog für spezifische pädiatrisch-pneumologische Leistungen erfüllen. Um einen Überblick über die in Kliniken und Praxen angebotenen spezifischen Leistungen zu erhalten, wurde von der GPP 1997 zunächst ein Fragenkatalog entwickelt, der allen Kinderarzt-Praxen und Kinderkliniken zugänglich gemacht wurde. Die eingegangenen Leistungsangebote sind in einem speziellen Klinik- und Praxisführer publiziert worden und beim Vorstand der Gesellschaft anzufordern.
Zusatzweiterbildung Pädiatrische Pneumologie
Der Vorstand der GPP hat ferner den Antrag auf eine fakultative Weiterbildung in pädiatrischer Pneumologie über die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendimedizin bei der Geschäftsstelle der Bundesärztekammer eingebracht. Inzwischen wurde die Zusatzweiterbildung Pädiatrische Pneumologie auch in der Musterweiterbildungsordnung vom Bundesärzteag 2003 festgeschrieben. Bei der Erstellung des erforderlichen Leistungskataloges wurde darauf Wert gelegt, dass die Qualitätsmerkmale zwar umfassend sind, nur von wenigen Zentren zu erbringende Spezialleistungen fanden jedoch keine Aufnahme, da anderenfalls nur einige wenige die vorgegebenen Standards erfüllen könnten. Die für die fakultative Weiterbildung angelegten Maßstäbe haben sich dabei an internationalen Kriterien, wie sie bereits in der Schweiz und in den USA (Am J Crit Care Med 155:1486,1997)existieren, orientiert. Nach der Annahme der Zusatzweiterbildung für pädiatrische Pneumologie durch den Bundesärztetag muss jedoch das Angebot und das Spektrum an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit den Leitern der einzelnen Arbeitsgruppen erweitert werden.Leitlinien für Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen
Die von der GPP veranstalteten Jahrestagungen haben im Prinzip folgende Aufgaben zu erfüllen:Sie sollen wissenschaftliche Fortbildung auf dem Gebiet der pädiatrischen Pneumologie gewährleisten.
Sie sollen einen Überblick über die wissenschaftlichen Aktivitäten der verschiedenen pädiatrisch-pneumologischen Arbeitsgruppen geben und so möglichst zu interdisziplinärer und multizentrischer Zusammenarbeit anregen.
Sie sollen die Begegnung und Diskussion von Klinikern und Wissenschaftlern, die im deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet der pädiatrischen Pneumologie arbeiten, intensivieren und fördern.
Schließlich sollen die administrativen und politischen Aktivitäten der GPP dargestellt und transparent gemacht werden, um so notwendige Entwicklungen zu bahnen bzw. einzuleiten.
Es sollte auch überlegt werden, ob sich die GPP eine Zeitschrift als Publikations- und Weiterbildungsorgan wählt. Die von einer Redaktionskommission der GPP unter der Leitung der Herren Professoren von der Hardt und Leupold erarbeiteten Leitlinien der Gesellschaft, die die Standards in Diagnostik und Therapie pädiatrisch-pneumologischer Krankheitsbilder umfassen, werden 1998 in einem Loseblattsystem beim Springer Verlag publiziert. Herausgeber des Gesamtwerkes ist der Autor.
Situation der pädiatrischen Pneumologie an Universitäten und großen Versorgungskliniken
De facto wird auch in Zukunft die Weiterbildung für pädiatrische Pneumologie an größeren Einheiten von Universitätskinderkliniken und größeren Versorgungskliniken mit entsprechenden Sektionen erfolgen.Die augenblickliche Ausbildungskapazität in der pädiatrischen Pneumologie an den genannten Kliniken spiegelt jedoch nicht die realen Gegebenheiten wieder. Beispielhaft sei die Situation an den Hochschulen angeführt. In Österreich, der Schweiz und Deutschland sind zwar sechs allgemein-pädiatrische Lehrstühle von Pneumologen besetzt und es existieren drei eigenständige Fachabteilungen, für den sogenannten Mittelbau fehlen jedoch C3-Dauerstellen, um auf lange Sicht die pädiatrische Pneumologie an den Hochschulen fest zu verankern. Dies ist auch deshalb von Bedeutung, weil allgemein-pädiatrische Lehrstühle nicht für die pädiatrische Pneumologie festgeschrieben sind. Der einzige bis 1996 speziell für pädiatrische Pneumologie in Düsseldorf ausgeschriebene Lehrstuhl wurde nicht besetzt. Gleiches gilt auch für die eigenständige Abteilung in Magdeburg. Auch in Frankfurt ist die Selbständigkeit nach altersbedingtem Ausscheiden des jetzigen Stelleninhabers nicht aufrecht erhalten worden. Unabhängig davon, dass in Hannover und Graz noch eigenständige pneumologische Abteilungen existieren und in Berlin ein pädiatrischer Lehrstuhl mit pneumologischem Schwerpunkt an der Humboldt-Universität (Virchow-Klinikum) geschaffen wurde, sind die pädiatrisch-pneumologischen Chefs aufgefordert, an ihren Kliniken durch Schaffung von C3-Stellen, z. B. durch Umwidmung, die Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Mittelbau auszubauen.
Wissenschaft
Man sollte meinen, dass bei der pädiatrisch-pneumologischen Repräsentanz auf C4- und Abteilungsebene an den Hochschulen auch die wissenschaftliche Arbeit, die sich in entsprechenden Publikationen widerspiegelt, intensiviert wurde. Dies ist nur bedingt der Fall. Der wissenschaftliche Output ist ebenso wie die Akquirierung von Drittmitteln - bezogen auf die Gesamtheit der Einrichtungen - relativ gering und im wesentlichen nur auf einige wenige Zentren beschränkt. Dies liegt vor allen Dingen daran, daß sich die meisten Einheiten als Ein-Mann-(Frau-)Betriebe in der Versorgungsarbeit erschöpfen. Es sollte daher Aufgabe der GPP sein, Fördermöglichkeiten transparent zu machen und die kleineren Einheiten in multizentrische Forschungsprojekte zu integrieren. Um dies zu erreichen, sind von einzelnen Arbeitsgruppen "study-outlines" für multizentrische Studien erarbeitet worden.Um die pädiatrische Pneumologie für junge Wissenschaftler in der Kinderheilkunde attraktiv zu machen, wurde der mit 5.000 Euro dotierte Johannes-Wenner-Preis geschaffen, der alle zwei Jahre anlässlich der Jahrestagung der GPP verliehen wird.
Der Vorstand der GPP hat ferner beschlossen, jährlich Posterpreise für die besten auf der Jahrestagung präsentierten Poster zu vergeben. Seit 1998 schreibt die GPP auch alle zwei Jahre ein Forschungsstipendium in Höhe von 20.000 Euro aus, um das sich junge Wissenschaftler bewerben können. Es bleibt zu hoffen, dass diese Anreize mit dazu beitragen, den Nachwuchs zu aktivieren und somit die pädiatrische Pneumologie fortzuentwickeln.
Auch wenn die finanziellen Ressourcen in Bund und Ländern starken Restriktionen unterworfen sind, existieren doch viele Förderungsmöglichkeiten, die unbedingt genutzt werden sollten, um wissenschaftliche Innovationen und Aktivitäten innerhalb der pädiatrischen Pneumologie zu entfalten.





Die GPP 

